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Erich HoneckerDer langjährige Generalsekretär der SED und Vorsitzende des Staatsrates, Genosse Erich HONECKER (1912-1994), war und blieb bis zuletzt ein aufrechter Kommunist. Auch wenn in den letzten Jahren der DDR vieles außer Kontrolle geraten war. Nicht nur, daß der Verrat antikommunistischen Chruschtschowisten-Clique zum Zerfall der KPdSU geführt hatte und die Zerstörung der Sowjetunion zur Folge hatte, auch die DDR war aufgrund dessen als Staat zuletzt nicht mehr zu halten. Die Konterrevolution breitete sich so schnell wie die Pest im Lande aus und riß alles, was in der DDR in den letzten 40 Jahren geschaffen worden war, mit in den Abgrund. Das Volkseigentum wurde unter mafiösen Umständen an die Bourgeoisie verschachert und die Menschen verließen zu Hunderten und Tausenden das geplünderte Land. Dennoch oder gerade deswegen ist die Aussage Erich Honeckers heute zutreffend: „Ich sehe nach wie vor für den Sozialismus eine große Chance. Das ergibt sich … aus der Entwicklung der Produktivkräfte!“

„Die wichtigste der Lehren bestand darin, daß eine
Zukunft für die Menschheit nur ‚von unten her’, vom
Standpunkt der Unterdrückten und Ausgebeuteten
aus, sichtbar wurde. Nur mit ihnen kämpfend,
kämpft man für die Menschheit.“
(Bertolt Brecht)

Nach dem schmählichen Ende der DDR, und damit der Beseitigung des Sozialismus auf deutschen Boden, äußerte sich der von solchen Verrätern wie Krenz, Modrow, Gysi und Konsorten „abgesetzte“ Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR im Jahre 1992 wie folgt:

Hatten wir Sozialismus in der DDR?

In dieser sturmbewegten Zeit wird oft die Frage gestellt, ob das, was in der DDR war, Sozialismus war. Ja, so erklärte ich bereits im Frühjahr 1990, es war Sozialismus, auf jeden Fall ein Stück von ihm. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war durch die Vergesellschaftung der wesentlichen Produktionsmittel, die Entwicklung der volkseigenen Betriebe und der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften beseitigt. In der Auseinandersetzung mit bürgerlichen Ideologien sprachen wir vom real existierenden Sozialismus, seinem planmäßigen Aufbau, der im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft seinen Bürgern Sicherheit und Geborgenheit garantierte.

Die Arroganz und der Zynismus des Herrn Gysi

Hier entwickelte sich friedliches Miteinander! Solidarität gedieh in unserer Gesellschaft nicht nur in den sogenannten Nischen, in denen sich Spießer und Opponenten eingerichtet hatten. Es spricht von Arroganz und Zynismus, wenn Herr Gysi alles das, was die Bürger heute schmerzhaft vermissen, als „Feudalismus“ und „Stalinismus“ und die SED als „reaktionäre Partei“ bezeichnet. Gleichwohl hat er und manche Leute, die so reden wie er, alle Möglichkeiten, die der Arbeiter-und-Bauern-Staat dieser Generation bot, einschließlich seine Ausbildung voll genutzt. Ich gehöre zu jenen – das mag für die Bourgeoisie und ihre Statthalter bedauerlich sein –, die nach der Niederlage nicht die Flinte ins Korn werfen. Das tat ich wie Hunderttausende auch 1933 nicht.

Welche Rolle spielte die DDR?

Wenn man der festen Überzeugung ist, daß der Sozialismus die einzige Alternative zum Kapitalismus darstellt, dann muß man mit Konsequenz dafür eintreten, welche konkreten Formen er künftig auch annehmen mag. Diese konsequente Haltung nehmen viele ehemalige Mitglieder der SED ein, die Organisatoren neuer kommunistischer Gruppen, auch ein Teil der Mitglieder der PDS, und diese konsequente Haltung vertreten in Deutschland vor allem die DKP und die KPD. Allein die Existenz der DDR, dieses von der Reaktion so übel verleumdete „Phänomen“, hat mehr Einfluß auf das Weltgeschehen ausgeübt als viele heute annehmen. Das brachte ein älterer Genosse im März 1991 überzeugend zum Ausdruck.

Er nannte folgende Fakten:

  1. Die DDR hat mit ihrem nichtkapitalistischen Modell auf die sozialökonomischen Auseinandersetzungen in Westdeutschland ersichtliche Wirkungen ausgeübt, so die BRD-Arbeitgeber zu akzeptablen Kompromissen bewogen und damit nicht nur am Sozialpaket mitgewirkt, sondern auch zum stabilen inneren Markt beigetragen, der die Außenmarktsituation abstützte.
  2. Die DDR hat, was gleichfalls verschwiegen wird, auf andere Weise den wirtschaftlichen Aufschwung in der BRD mit hohen Opfern begünstigt: sie hat für ganz Deutschland die Reparationen des 2.Weltkrieges an die Sowjetunion auf Heller und Pfennig bezahlt. Dafür hätte die BRD eigentlich an die DDR rund 700 Mio. Mark zahlen müssen.
  3. Vor allem aber hat die DDR an der Nahtstelle von NATO und Warschauer Pakt das militärische Patt zwischen den Supermächten ermöglicht, 40 Jahre Frieden in Europa gesichert und einen dritten Weltkrieg verhindert!

Das sind sehr zutreffende Einschätzungen! Kaum jemand kann angesichts der Tatsache in unserer trotz der staatlichen Einheit geteilten Nation bestreiten, daß die Politik der DDR auf das Wohl der Menschen gerichtet war. Es gab bei uns niemand, der auf Kosten des Volkes lebte. Alles, was produziert wurde, wurde verteilt.

Wir hatten ein großes Stück Sozialismus in der DDR

Warum konnten wir uns zum Beispiel leisten, für alle Kinder einen Kindergartenplatz bereitzustellen, und das fast kostenlos. Für 60 Prozent der Kinder gab es Krippenplätze und Schulhorte für alle Kinder der Klassen l bis 4. Der Staat und die Betriebe stellten die Mittel für die Ferienaufenthalte, für Sport, Kultur und Soziales. Die Betriebsfonds sicherten die Gewährleistung der polytechnischen und der Berufsausbildung, die Qualifizierung-smaßnahmen für Arbeiter, Meister und Ingenieure. Es gab eine zehnjährige Schulausbildung für alle, Fach- und Hochschulen in großem Umfang, wir „leisteten“ uns notwendigen Bildungsvorlauf, Schulspeisung und Fürsorge für die Alten, Volkssolidarität, ein weit ausgebautes Gesundheitswesen mit seinen Polikliniken, ein Erholungswesen, das über die Gewerkschaften gesteuert wurde. Die Jugend hatte eine Perspektive, die Kinder waren umsorgt von Familie und Gesellschaft. Die Mittel für die sozialen Leistungen flossen aus dem gesellschaftlichen Eigentum, aus den erwirtschafteten Gewinnen, die eben nicht wie im Kapitalismus als Profite in die Taschen Einzelner fließen konnten. All das hat etwas mit realem Sozialismus zu tun.

Quellen:
Zitat Brecht: Rede anläßlich der Verleihung des Lenin-Preises (1955)
Erich Honecker: Zu den dramatischen Ereignissen, W.Runge Verlag, Hamburg,1992, S.41f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Grotewohl

Der erste DDR-Ministerprasident, Otto Grotewohl

Wenn man sich heute die gesellschaftlichen Verhältnisse in der BRD und in anderen hochentwickelten kapitalistischen Ländern anschaut, so entsteht leicht der Eindruck, daß es heute keine Arbeiterklasse mehr gäbe. Auch wenn sich die Technologie und die Art der Arbeit in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert und weiterentwickelt haben: Dieser Eindruck ist falsch! Die Arbeiterklasse unterscheidet sich von der Ausbeuterklasse vor allem dadurch, daß ein Arbeiter, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, während der Kapitalist, der über das Eigentum an Produktionsmitteln verfügt, seinen Lebensunterhalt in erster Linie aus den durch die Ausbeutung der besitzlosen Klassen erzielten Profiten bestreitet. Das ist der entscheidende Unterschied! Über den Einfluß des Imperialismus auf die Struktur der Arbeiterklasse schreibt Otto Grotewohl:

Ebenso wie die materielle Lage wurde auch die soziale Struktur der Arbeiterklasse durch den Übergang zum Imperialismus weitgehend beeinflußt. Hier sind es vor allem drei Faktoren, die in der Periode des aufkommenden Imperialismus eine hohe Bedeutung gewannen:

  • der sich mehrende Zustrom kleinbürgerlicher Elemente ins Proletariat,
  • die Herausbildung einer Arbeiteraristokratie, d.h. einer Schicht von privilegierten besser bezahlten Arbeitern, die in Gegensatz zu der Masse der Arbeiterschaft geriet,
  • das Anwachsen der Zahl der Angestellten in den Organisationen der Arbeiterschaft und die Gefahr ihrer Loslösung von den Massen.

1) Das Einströmen bürgerlicher Elemente

klassenstrukturDer Siegeszug der Monopole in der kapitalistischen Wirtschaft bewirkte, daß ständig zahlreiche mittlere und kleine Unternehmen vernichtet oder aufgesogen, viele ihrer Besitzer und Angestellten an den Bettelstab gebracht wurden. Diese ins Proletariat Hinabgeschleuderten und Deklassierten brachten ihre kleinbürgerlichen Vorurteile, ihre engstirnige Denkweise mit und verharrten meist noch lange in rückständigen, kleinbürgerlichen Ideologien. Sie empfanden ihre Lage nicht als Auswirkung eines gesellschaftlichen Prozesses, der sich mit historischer Gesetzmäßigkeit vollzieht, sondern als persönliches Pech, als einen zufällig ihnen begegneten Schicksalsschlag. Sie sehnten sich zurück nach der verlorenen bürgerlichen Existenz und erwarteten ihre soziale Aufwertung von Sofortmaßnahmen, sozialen Verbesserungen, Reformen und dergleichen. Sie erstrebten jedoch keine grundlegende Änderung des gesellschaftlichen Systems. Noch völlig befangen im kleinbürgerliehen egozentrischen Denken, vermochten sie noch nicht die große gesellschaftliche Aufgabe des Proletariats zu erkennen. Sie stellten, wie Lenin sagt, die „Rekruten der Arbeiterbewegung dar, die erst einer ‘gründlichen Ausbildung’ im Klassenbewußtsein bedürfen.“ [1]

Das galt auch für die Mittelschichten, die in der imperialistischen Epoche immer wieder neu geschaffen werden, die beispielsweise als Filialleiter, Besitzer von erforderlichen neuen Reparatur- und Ergänzungsbetrieben, in der Heimarbeit und im Handel scheinbar selbständige oder doch gehobene Existenzen fanden und sehr schnell bürgerliche Denk- und Lebensweise annahmen.

Gewiß hat es nicht an warnenden Stimmen gefehlt. Schon Karl Marx und Friedrich Engels hatten sich wiederholt gegen die leichtfertige, allzu entgegenkommende und nachsichtige Behandlung der in der Partei sich breitmachenden Spießer und Kleinbürger gewandt. Es sei nur auf den Zirkularbrief vom September 1879 hingewiesen, wo sie mit aller Deutlichkeit die Verderblichkeit des kleinbürgerlichen Einflusses aufzeigten und seine Ausmerzung forderten.

„Es sind die Repräsentanten des Kleinbürgertums, die sich anmelden, voll Angst, das Proletariat, durch seine revolutionäre Lage gedrängt, möge ‘zu weit gehen’.“ [2]
„Das kleinbürgerliche Element in der Partei bekommt mehr und mehr Oberwasser. Der Name von Marx soll möglichst unterdrückt werden. Wenn das so vorangeht, so gibt es eine Spaltung in der Partei, darauf kannst Du Dich verlassen.“ [3]

„Wenn solche Leute aus anderen Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, daß sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen usw. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen … Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in. die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit dem proletarischen Schneid ist’s am Ende. Was uns betrifft, so steht uns nach unserer ganzen Vergangenheit nur ein Weg offen. Wir haben seit fast 40 Jahren den Klassenkampf als nächste treibende Macht der Geschichte und speziell den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat als den großen Hebel der modernen sozialen Umwälzung hervorgehoben; wir können also unmöglich mit Leuten zusammengehen, die diesen Klassenkampf aus der Bewegung streichen wollen.“ [4]

Auch später haben verantwortungsbewußte Führer gegen die Ausbreitung kleinbürgerlicher Einflüsse, gegen die Verspießerung ihre Stimme erhoben. So August Bebel, der 1903 auf dem Parteitag in Dresden die reformistische Einstellung und das anmaßende Auftreten mancher aus Konjunkturgründen zur Partei gestoßenen Akademiker und der „ehemaligen Proletarier in gehobenen Lebensstellungen, Leute, die eben jetzt einen gewissen Abschluß ihrer Lebenslage sehen“, in scharfen Worten geißelte und gegen die Vertuschung, die Überbrückung der Gegensätze zwischen Proletariat und bürgerlicher Gesellschaft wetterte.


2) Die Herausbildung einer Arbeiteraristokratie

wohlstandIndessen hätte dieses Einströmen bürgerlicher Elemente und damit zugleich bürgerlicher Ideologien ins Proletariat durch die allmähliche Umschmelzung inmitten einer geschlossenen, klassenbewußten, politisch und ideologisch richtig geführten Arbeiterschaft und durch zielbewußte Einwirkung ohne Schädigung bleiben können.

Die Geschlossenheit des Proletariats wurde jedoch gerade durch die Einwirkungen des Monopolkapitalismus stärkstens gelockert. Hatte die Überschätzung der auf die Augenblicksinteressen, gerichteten Politik schon dazu geführt, daß viele Arbeiter sich durch vorübergehende und nur begrenzt positive Auswirkungen des Imperialismus blenden ließen und darüber die ganze Gefährlichkeit dieses Systems übersahen, mit ihm liebäugelten, Frieden schlössen und von ihm alles Heil erhofften, so gewann der Imperialismus durch die planvolle Heranzüchtung einer Arbeiteraristokratie eine weitere, nicht unbeträchtliche Zahl von Arbeitern für sich, die den von Marx gewiesenen revolutionären Weg verließen und zu verläßlichen Stützen, Verteidigern und Lobrednern des Monopolkapitalismus wurden.

„Der Imperialismus“, so führte Lenin aus, „hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und von der Masse des Proletariats abzuspalten.“ [5]

Und in seinem Brief an die amerikanischen und europäischen Arbeiter sagt Lenin:

„… in allen zivilisierten fortgeschrittenen Ländern raubt die Bourgeoisie — auf dem Wege entweder der kolonialen Unterdrückung oder des Herausziehens finanzieller ‘Vorteile’ aus formell unabhängigen schwachen Völkern — eine Bevölkerung aus, die die Bevölkerung ‘ihres’ Landes um ein Vielfaches übertrifft. Daher die ökonomische Möglichkeit der ‘Extraprofite’ für die imperialistische Bourgeoisie und der Verwendung von einem Teil dieses Extraprofits zur Bestechung einer gewissen Oberschicht des Proletariats, um sie in reformistisches, die Revolution fürchtendes Kleinbürgertum zu verwandeln.“ [6]

Diese Bestechung einer kleinen Schicht von Arbeitern erfolgte bald in plumpen, bald in höchst raffinierten, kaum erkennbaren, dann aber um so wirkungsvolleren Formen. Geeignete Objekte in der Arbeiterschaft erhielten als angeblich qualifiziertere Facharbeiter, als Aufseher, Vorarbeiter, Lagerverwalter, Kontrolleure u.ä. höhere Einkommen und günstigere Arbeitsbedingungen. Es ist erwiesen, daß die so Begünstigten in der Mehrzahl der Fälle sich allmählich in ihrer Lebenshaltung und Denkweise den bürgerlichen anpaßten, sich mehr und mehr von der proletarischen Klassengrundlage entfernten, die Sorge um die Erhaltung und Verbesserung ihrer Posten, um die Versorgung ihrer Kinder höher schätzten als die Solidarität mit den Massen, als den Kampf um die soziale Befreiung der gesamten Arbeiterklasse. Die Aussicht opfervoller Kämpfe flößte ihnen vielmehr Furcht und Abneigung gegen revolutionäre Kampfmethoden ein. Diese Schichten bildeten darum einen günstigen Nährboden für den Opportunismus, für alle Abirrungen von der marxistischen Theorie und Praxis, für versöhnlerische Tendenzen und falsche, undialektische Beurteilungen der Entwicklung des Kapitalismus im Zeitalter des Imperialismus. Das deutsche Monopolkapital sparte darum nicht mit Mitteln, um durch die Züchtung einer solchen Arbeiteraristokratie die Front der Arbeiterschaft zu durchbrechen und in ihre Reihen den Samen der Zwietracht untereinander und des faulen Klassenfriedens mit den Kapitalisten zu säen.


3) Das Anwachsen der Bürokratie in den Arbeiterorganisationen

buerokratieDiesem Bestreben kam die unausgesetzte Erweiterung des umfangreichen Verwaltungsapparates in der sozialdemokratischen Partei, in den Gewerkschaften und den verschiedenen sozialen und kulturellen Organisationen entgegen. Hatte diese uneingeschränkte Gewinnung Tausender von klassenbewußten Arbeitern für die an der Verwirklichung der Ziele der Arbeiterschaft arbeitenden Organisationen deren Stoßkraft beträchtlich erhöht, so brachte auch hier die unabhängige quantitative Vermehrung schließlich den qualitativen Umschlag.

Die ständige Vermehrung der neu einzustellenden hauptamtlichen Funktionäre in den genannten Organisationen gestattete nicht mehr eine so sorgfältige Auslese wie bisher, zwang vielmehr zum Rückgriff auf solche Bewerber, die hinsichtlich ihrer Verbundenheit mit dem Sozialismus, ihres Klassenbewußtseins, nicht immer so qualifiziert sind, wie man es bis dahin forderte. In wachsender Zahl traten aus dem Bürgertum kommende Abgeordnete, Schriftsteller, Redakteure und andere Funktionäre hervor, die ihre antimarxistischen klassenfremden Auffassungen mitbrachten und die marxistische Bewegung oft nur als eine soziale Reformbewegung betrachteten.

Die mit dem Anwachsen der Organisationen entstehende und sich mehrende Kompliziertheit der Verwaltung, der Kassenführung, des Geschäftsverkehrs usw. hatte zur Folge, daß man bei der Auswahl der einzustellenden Kräfte oft mehr auf die formalen Fähigkeiten als auf die Parteiverbundenheit, auf die Vertrautheit mit dem Marxismus sah.
Die hohe Entlohnung führte in vielen Fällen bei weiterer Erhöhung nicht zu gesteigerter Arbeitsfreudigkeit und Hingabe an die Sache der Arbeiterschaft, sondern zu einer Lockerung der Verbundenheit mit den Massen.

So erklärte sich auch die stürmische Zustimmung, die August Bebel fand, als er auf dem Magdeburger Parteitag 1910 ausrief:

„Ich habe oftmals den Eindruck, daß ein Teil unserer Führer nicht mehr versteht, was die Massen zu leiden haben, daß sie der Lage der Massen entfremdet sind…Die Parteigenossen müssen darüber wachen, daß die Parteiführer der Partei keinen Schaden zufügen. Seht den Führern auf die Finger, seht auch Euren Redakteuren auf die Finger.“ [7]

Viele der durch die Arbeiterorganisationen Emporgehobenen gerieten durch die Übernahme bürgerlichen Lebensstils zu bürgerlichen Vorurteilen, entfremdeten sich den Massen und verletzten sie oft durch ihr Benehmen. Auch bei ihnen stellte sich, wie bei den Arbeiteraristokraten, die Sorge um Erhaltung und Ausbau der errungenen persönlichen Positionen ein. Sie wurden sich bewußt, daß sie bei etwaigen scharfen oder gar revolutionären Auseinandersetzungen mit dem Klassenfeind mehr zu verlieren hatten als ihre Ketten. Deshalb scheuten oder verabscheuten sie den revolutionären Weg, plädierten für den Weg der Reformen, neigten zum Opportunismus, zu Kompromissen mit dem Klassenfeind, zur Revision, zur Preisgabe des Marxismus, zur Einstellung des Klassenkampfes. Diese Entwicklung trat nicht nur in der Partei, sondern auch besonders in den Gewerkschaften hervor. So wurden die Organisationen, je mehr sie in die Breite wuchsen und je schwerer das Bleigewicht ihres Verwaltungsapparates wurde, aus Hebeln des sozialen und politischen Fortschritts in gewissem Sinne zu Hemmschuhen. Indem die Parteiführung die Gefahren der Verbürgerlichung, der Entstehung einer Arbeiteraristokratie und der Loslösung gewisser Funktionäre von den Massen nicht in ihrer vollen Bedeutung erkannten und nicht energisch genug bekämpften, bahnten sie indirekt dem Opportunismus und dem Revisionismus den Weg.

Zitate:
[1] Vgl. Lenin, „Die Differenzen in der europäischen Arbeiterbewegung.“
[2] Engels an Bebel, 24. November 1879.
[3] Engels an Liebknecht, 4. Februar 1885.
[4] Karl Marx, „Kritik des Gothaer Programms”, Berlin 1946, S. 102 f.
[5] Lenin, „Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Verlag Neuer Weg, Berlin 1946, S. 93.
[6] Lenin, Sämtliche Werke, Bd. XXIII, S. 644.
[7] Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages von 1903, S. 311.
[8] Parteitagsprotokoll von 1910.

Quelle:
Otto Grotewohl: 30 Jahre später – Die Novemberrevolution und die Lehren aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Dietz Verlag Berlin, 1948, S.23-29.

 

Lunatscharski

Anatoli Lunatscharski

Mit ungebildeten Menschen, wie sie der Kapitalismus immer wieder aufs Neue hervorbringt, ist der Sozialismus auch künftig nicht zu machen. Nur eine gebildete Arbeiterklasse wird imstande sein, die täglichen Herausforderungen zu meistern, die der Aufbau des Sozialismus erfordert. Nur eine gebildete Arbeiterklasse wird auch fähig sein, den Kapitalismus letztendlich zu überwinden. In seinem Referat auf dem XI. Gesamtrussischen Sowjetkongreß am 25. Juni 1924 hob Anatoli Lunatscharski vor allem den Kampf Lenins gegen die Unbildung hervor: „Lenin verstand ausgezeichnet, daß die Volksbildung in den bürgerlichen Ländern dazu dient, den Massen durch äußeres, dekoratives Demokratiegebahren die Augen zu verkleistern und sie auf dem Stand der Zufriedenheit mit ihrer Verfassung zu halten.“

Was aber tun? Wenn ein bestimmtes Selbstbewußtsein für das Volk insgesamt und für das Proletariat insbesondere erforderlich ist, um die revolutionären Probleme anzugehen und richtige Wege zu deren Lösung zu finden, und wenn diese Aufklärung ohne Revolution keinesfalls durchzusetzen ist, – ist das nicht wie eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt? Ist das nicht ein unlösbares Problem: ohne Bewußtsein keine Revolution, ohne Revolution kein Selbstbewußtsein?

Die kommunistische Partei wird die Massen führen

Diese Frage wurde in gewissem Grade “aristokratisch” gelöst, d. h. durch Übertragung der Problemstellung auf folgende Ebene: Die Volksmassen bringen – wenn auch schwer, wenn auch unter Leiden, wenn auch unter Opfern – eine bestimmte Avantgarde hervor, vorwiegend natürlich aus dem Proletariat, aus dem eigenen, besonders fortschrittlichen Teil. Die ganze Masse kann noch nicht auf der Höhe dieses Selbstbewußtseins stehen, darum würde sie, sich selbst überlassen, unvermeidlich Fehler begehen. Diese Avantgarde, die über die gesamte Fülle des Bewußtseins verfügt, ist die kommunistische Partei.

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…auf zum XVIII.Parteitag

Und die Masse wird tätig werden können, weil keine Avantgarde für sie tätig sein kann, und sie wird als Masse richtig tätig sein können – denn die Revolution ist eine Tat der Massen –, wenn sie genügend Vertrauen in ihre Vortrupp-Partei haben wird und wenn die Vortrupp-Partei ausreichend stark und konsequent ist, um die Masse zu führen. Das war eben die erste, die Vorablösung des revolutionären Problems: es wird eine Avantgarde hervorgebracht, es wird die Revolution vollzogen.

Doch nun vollzieht sich die Revolution. Was weiter?

Die erste These Wladimir Iljitschs: Es wäre kindisch anzunehmen, daß die Kommunisten den Kommunismus allein errichten können. Die Kommunisten sind ein Tropfen im Meer. Ausgehend von dieser These formuliert Wladimir Iljitsch auch andere: Man muß sich auf die Kräfte außerhalb der Partei stützen, man muß sie in die staatliche, in die wirtschaftliche, in die kulturelle Arbeit einbeziehen.

sowjetschule

Erwachsenenbildung in den ersten Jahren der Sowjetunion

Zwei Aufgaben zeichnete Wladimir Iljitsch vor. Erstens ist es notwendig, so schnell wie möglich das kulturelle Niveau der Massen zu heben, und nicht nur der proletarischen, sondern auch der bäuerlichen Massen. Der Weg zu dieser Hebung ist die Bildung.

Der Hunger [im Jahre 1921] hat unserem gesamten Kampf gegen das Analphabetentum eins ausgewischt. Als aber der Hunger vorbei war, beeilte sich Wladimir Iljitsch einen Artikel zu schreiben, in dem gesagt wird, daß es unsere direkte Pflicht ist, das Analphabetentum der Bevölkerung unter 35 Jahre bis zum 10. Jahrestag zu liquidieren.[1] Wladimir Iljitsch wußte ausgezeichnet, daß dies schwer ist, er war ein großer Realist, und er empfand diese Schwierigkeiten besser als irgendeiner von uns, er kannte die Zahl der Analphabeten und wußte auch, wieviel das ungefähr kosten wird, und er hat gesagt, daß dies zu erreichen möglich ist.

Genauso interessierten Wladimir Iljitsch auch Fragen der Schule und Fragen der Massenbüchereien. Und es ist klar, warum. Weil er, in vollem Maße Demokrat in der heiligsten und lichtesten Bedeutung dieses Wortes, auf jede Weise den Zeitpunkt näher bringen wollte, da die Volksmassen, nicht nur die Arbeiter-, sondern auch die Bauernmassen, ihre Belange und die Wege zu ihrer Befreiung nicht nur auf der Ebene der Politik, sondern auch auf der Ebene ihrer gesamten tagtäglichen Wirtschaftsführung und ihres Daseins in der ganzen Fülle begreifen werden. Dies ist so. Doch daraus folgt nicht, daß wir uns voll auf die Stufe der untersten Bildung hinab begeben müssen, daß die ganze Hauptaufgabe auf Schulen für die Beseitigung des Analphabetentums und auf Massenbüchereien hinausläuft.

Das Ziel – ein einheitliches sozialistisches Bildungssystem

Wladimir Iljitsch begriff ausgezeichnet, daß wir die Schule nicht richtig auf die Beine stellen, daß wir weder die Massenbücherei auf die Beine stellen noch das Analphabetentum beseitigen werden, wenn sich unsere Wirtschaft nicht entwickeln wird, wenn die staatliche Verwaltung ewig die stockend arbeitende Maschine bleiben wird, die er zu sehen bekam. Denn er sagte unumwunden: Bei uns macht, mit Ausnahme vielleicht des Narkomindel (Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten), das noch nach etwas aussieht, kein Kommissariat einen gescheiten Eindruck, alle arbeiten, wie es gar nicht schlechter geht. Das erklärte er mit aller Strenge. Wir haben einen Staatsmechanismus aufgebaut, der im Gefecht standgehalten hat, der sich als lebenstüchtig erwies, doch seht, wie störanfällig er ist. Man muß ihn umgestalten, man muß die Menschen lehren zu leiten, und gut zu leiten, in handlichen Formen, in klaren, exakten und einfachen Formen.

Man muß wirtschaften, darunter auch handeln lernen. Man muß aufklären lernen, so aufklären, daß alle drei Seiten – die Allgemeinbildung, beim Alphabet angefangen, die technische Bildung und die politische Aufklärung – zu einem Strang verschweißt, zu einem Drahtseil des einheitlichen Bildungssystems verflochten werden. Doch für all das ist Voraussetzung, daß die Aufklärer selbst vorhanden sind, daß Wirtschaftsfachleute, daß Verwaltungsexperten vorhanden sind. An denen aber mangelt es.[2]

Woher soll man die Fachleute nehmen?

kulturpalast

Kulturpalast in Dresden (gebaut in der DDR)

Welchen Ausweg gibt es da? Es gibt für uns einen Ausweg: an die Jugend appellieren. Wir appellieren an die Arbeiter- und Bauernjugend. Sie ist ungebildet? Ja. Man muß ihr Bildung angedeihen lassen, man muß ihr jene Bildung geben, die sowohl von ihr als auch von uns benötigt wird. (…)

Wir schlagen uns namentlich für einen solchen Staat, der in vollem Maße fähig wäre, Kulturpolitik zu leisten, und solange wir ihn noch nicht erkämpft haben, müssen wir uns im exakten Sinne des Wortes herumschlagen.

Die zweite Frage ist, was lehren und wie lehren. Sie wissen, daß Wladimir Iljitsch seine glänzende und tiefgründige Rede an die Komsomolzen gerade dieser Frage gewidmet hat. In allgemeinen, grundsätzlichen Umrissen hat er diese Frage mit erschöpfender Klarheit beantwortet: Wenn wir uns nicht die gesamte Kultur der Vergangenheit zu eigen machen, werden wir keinen Schritt vorankommen.

Anmerkungen:
[1] In seinem Referat sprach Lunatscharski davon, daß das Analphabetentum im Alter von 18 bis 35 Jahren bis zum 10.Jahrestag der Oktoberrevolution auszumerzen sei.
[2] Offenbar meint Lunatscharski die schwere wirtschaftliche Lage des Landes, als es nicht einmal genug Geld gab, um die Arbeiter zu entlohnen.

Quelle:
A. W. Lunatscharski, Wie war Lenin? APN-Verlag Moskau, 1981, S. 142-147. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)


 

Nachbetrachtung: Die Verwirrung in den Köpfen ist groß. Das heutige (politische) “Analphabetentum” besteht vor allem im Fehlen einer wissenschaftlichen Weltanschauung. Deshalb ist es notwendig, nicht nur über gewisse fachliche Kenntnisse zu verfügen und eine bestimmte Qualifikation zu erwerben, sondern sich zugleich auch die Philosophie des Marxismus-Leninismus, den dialektischen und historischen Materialismus, bewußt anzueignen (und der ist keineswegs überholt!). Anders wird man sich wohl kaum in der Welt zurechtfinden oder gar Veränderungen der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse herbeiführen können.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Faschisten nicht an Flüchtlingseinrichtungen zündeln und Flüchtlinge attackieren. Jüngst bei Ausschreitungen der Faschisten nahmen die Konzernmedien kurz davon Kenntnis, bürgerliche Politiker heuchelten ihre Empörung. Doch wie glaubwürdig ist diese Empörung von den gleichen Politikern, die ohne mit der Wimper zu zucken die imperialistische Offensive mittragen, die das Fluchtelend überhaupt erst erzeugt?

 

Was könnte den Kapitalisten und ihren Politikern überhaupt bequemer sein, als die Proletarier verschiedenen Nationen gegeneinander auszuspielen, damit sie gegeneinander kämpfen und nie merken, dass sie einen gemeinsamen Feind haben?

 

Das sieht man sehr gut an dem sogenannten "Flüchtlingsproblem". Dank den imperialistischen Kriegen, die die Kapitalisten führen für ihre Profite führen lassen, gibt es laut UNO aktuell fast 14 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten.

 

Insgesamt gibt es aber weltweit 60 Millionen Menschen, die vom Krieg aus ihren Häusern gejagt wurden und innerhalb oder außerhalb des eigenes Landes Flüchtlinge sind. So schlimm war die Lage seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. 

 

In der ersten Hälfte des Jahres 2015 suchten 137 000 Menschen meistens ohne bestimmtes Ziel, die Flucht über das Mittelmeer. Ca. 170 000 Menschen haben 2014 in Deutschland einen Asylantrag gestellt, die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Irak, Afghanistan oder Eritrea.

 

Wer ist nach Ansicht der deutschen Presse schuld an so gewaltigem menschlichen Elend? Für Spiegel oder Bild ist die Lösung einfach: die Truppen von Machthaber Assad, der Familie Gaddafi – oder auf der anderen Seite der IS, die Taliban in Afghanistan, zusammenfassend und vornehmer formuliert - die Bürgerkriege[1].

 

Die logische Unstimmigkeit stört nicht: Die bürgerlichen Medien beschimpfen den "Diktator Assad" dass er schon "zu lange" an der Macht sei. Dabei ignorieren sie bewusst, dass in dieser langen Zeit vor dem Krieg die Menschen in Syrien offenbar nicht terrorisiert wurden und auch keinen Grund sahen, ihr Land in Massen zu verlassen. Sie waren mit ihrem Leben relativ zufrieden. In Syrien existierten Universitäten und Wissenschaft, es entwickelte sich eine eigene Industrie, es wuchsen neue Häuser und Städte, der Lebensstandard war recht hoch.

 

Die Flüchtlingsströme setzten erst ein, als der Krieg gegen Assad durch die vom Westen gezüchteten Terrorgruppierungen begann. Sollte Assad sein Volk dann im Stich lassen und sich nicht verteidigen? Aber an den Beispielen Irak, Lybien und Jugoslawien sehen wir, dass auch auch die Unterwerfung unter den imperialistischen Feind nicht zu Ruhe führt. Ganz im Gegenteil, aus diesen durch die imperialistische Interventionen zerbrochenen Staaten kommen nicht weniger Flüchtlinge als aus Syrien.

 

Die Bezeichnung "Bürgerkrieg" wird zudem sehr perfide genutzt. So soll suggeriert werden, dass es hier um religiös motivierte, irrationale Streitigkeiten ginge, die der vernünftige Bundesbürger so gar nicht verstehen könne. Mittels dieser Nebelkerze soll die imperialistische Einmischung der BRD und USA verdeckt werden. Den Proletariern in Deutschland soll vermittelt werden, dass die BRD großzügig unvernünftige Menschen aufnehme, die nicht auf sich selbst aufpassen könnten. Eine subtile Art von Rassismus.

 

Aber jetzt ist die Lage so ernst, dass selbst die deutsche Bourgeoisie irgendwie auf die Flüchtlingsströme reagieren muss. Da die Fassade der "humanen" bürgerlichen Demokratie erstmal erhalten bleiben soll, öffnet die Regierung die schäbigsten Flüchtlingsunterkünfte und lässt wohltätige Organisationen für die Flüchtlinge sammeln. Doch auch hier finden die Vertriebenen kein Frieden.

 

Das Antirassistische Netzwerk hat eine interaktive Karte erstellt, die zeigt, wo und wie Faschisten Flüchtlinge und ihre Unterkünfte attackiert haben.

http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikon/karte

 

Darunter fallen Proteste, Angriffe mit Körperverletzungen, Sachbeschädigung und Brandanschläge. Das ganze Land ist davon betroffen! In jedem Bundesland finden sich "Sturmgruppen", die gegen die Flüchtlinge kämpfen. Besonders stark sind die Faschisten in Dresden und Heidenau, in Berlin, aber auch in Wuppertal und anderen NRW-Städten. Überfall schallt es "Ausländer raus". Die meisten Fälle bleiben der Öffentlichkeit unbekannt, nur bei großen Randalen, wie vor kurzem in Heidenau, wird von den Massenmedien berichtet.

 

Dabei haben die bürgerlichen Massenmedien natürlich "Verständnis" für die Angreifer und Hetzer. Diese werden nicht mit ihrer richtigen Bezeichnung "Faschisten" oder zumindest "(Neo-)Nazis" bezeichnet. Nein, das sind "Asylgegner". "Rechte" oder "Rechtsextreme" werden sie nur, wenn sie, wie in Heidenau, nicht nur gegen wehrlose Flüchtlinge, sondern auch gegen die Polizei vorgehen. Wenn jedoch Antifaschisten gegen die Faschisten vorgehen, werden diese Faschisten zu "vermutlich Rechten"[2], oder einfach nur "friedlich demonstrierenden Bürgern".

 

Selbstverständlich sind sie Faschisten: An ihrem Rassenhass und der Ausländerfeindlichkeit, genauso wie an ihrem Antikommunismus kann man diese Art erkennen, ebenso an ihrem brutalen Vorgehen gegen wehrlose Menschen. Wie sie es mit inhaltslosen und rassistischen Parolen in manchen Orten geschafft haben vom Kapitalismus enttäuschte Menschen zu sammeln – nicht um sie gegen den Kapitalismus zu organisieren – sondern um sie gegen die Flüchtlinge zu mobilisieren, damit der Kapitalismus für sie erhalten bleiben kann. Die Faschisten sind die konsquentesten Vollstrecker der BRD-Politik.

 

Aber den Begriff Faschismus benutzt man heute nicht gern, die "empörten Bürger", schlimmstenfalls "Fremdenhasser"[3] sollen verharmlost werden. In Heidenau gehen angeblich "ganz normale Anwohner", auch Frauen mit Kinderwagen zur Demo gegen die Flüchtlinge. Dabei hält eine dieser Frauen eine schwarz-weiß-rote Reichsfahne. Unsinn! Wenn die Frau soweit ist, eine solche Fahne zu tragen (und deren Bedeutung zu kennen), ist das auf keinen Fall eine "normale Anwohnerin", sondern die Angehörige einer der faschistischen Gruppen. Auch wenn sie ein Kind hat, es sogar als Schutzschild im möglichen Straßenkampf benutzt. Eine "normale Anwohnerin" würde ihrem Kind vermutlich kaum so etwas antun.

 

Ziel dieses ganzen Spektakles ist es den Werktätigen in der BRD einzuprägen, dass diese "Fremden" schuld an unseren Problemen sind. Die Flüchtlinge, die anders aussehen, anders sprechen und vor allem die "unser Geld wollen".

 

Mit diesem Vorgehen schlägt deutsche Bourgeoisie mehrere Fliegen mit einer Klatsche:

 

- die BRD ist Teil der NATO, verkauft Waffen (z.B. an Israel und Saudi Arabien) und sichert somit die eigenen ökonomischen Interessen in In- und Ausland.

- Sie nimmt an Kriegen teil und die Schuld für diese Kriege sollen die anderen tragen: "Diktator Assad“, die Familie „Gadaffi“ und andere Antiimperialisten

- Sie kann die deutschen Arbeiter mit Hilfe der faschistischen Organisationen ablenken und kontrollieren: Sie sollen nicht gegen die eigenen "Arbeitgeber" streiken oder auf Friedensdemos gegen die NATO-Politik gehen, sondern gegen Kriegsflüchtlinge hetzen.

 

Wir Kommunisten sehen hier einen großen Aufklärungsbedarf. Die antifaschistischen Organisationen gehen richtig gegen die Faschisten vor, sie blockieren und bekämpfen ihre Versuche, die Flüchtlinge anzugreifen. Aber man braucht nicht nur das.

 

Für uns Proletarier in Deutschland muss klar sein:

 

- Dass die Flüchtlinge allein und einzig deswegen nach Europa fliehen müssen, weil es den Imperialismus gibt, weil die NATO ihre eigenen Nationen und Regierungen angreift, ihr Leben zerstört.

 

- Dass die BRD (sogar mit Segen von einigen Gewerkschaften wie der IG Metall) Waffen produziert und in die Kriegsregionen verkauft, um von der dortigen Lage zu profitieren.

 

- Dass die Flüchtlinge nicht nach Deutschland wollen, um hier besser zu leben, sondern weil sie überleben wollen und sich und ihre Kinder vor diesem Krieg (an dem die BRD teil hat) zu retten. Ihre Häuser sind bereits zerstört, ihr Leben ruiniert. Es geht nicht um Konsum!

 

- Dass nicht die Flüchtlinge "unser Geld wollen" und deswegen Probleme im Leben entstehen. Die paar Millionen Euro, die für Asylbewerber ausgegeben werden, sind Nichts gegen die 450 Milliarden (!), die die Arbeiter 2009 mit ihren Steuergeldern den deutschen Banken und Konzernen für ihre Rettung blechen mussten, damit sie uns von unserem eigenen Geld weiter auspressen können. Wir Arbeiter zahlen für jede Krise - durch die Steuern, die wir zahlen müssen und durch die tägliche Ausbeutung unserer Arbeitskraft.

 

- Dass die deutschen Kapitalisten die Löhne immer weiter senken, die Mieten erhöhen, Gewerkschaftsrechte schleifen (Tarifeinheit!), um ihre Profite zu sichern. Schon lange vor dem aktuellen Flüchtlingsstrom wurde Hartz IV eingeführt, die Leiharbeit ausgeweitet und die Rente gesenkt. Nicht die Flüchtlinge haben das Volkseigentum der DDR geplündert und im Osten Geisterstädte hinterlassen. Nein! Für all das ist die asoziale Horde der deutschen Kapitalisten verantwortlich!

 

- Dass man nicht gegen die Flüchtlinge kämpft, sondern proletarische Solidarität zeigt und mit ihnen zusammen mobil macht gegen Ausbeutung und Krieg.

 

Der Faschismus ist ein Wachhund der Bourgeoisie, den sie raus lässt, wenn die bürgerliche Demokratie nicht mehr ausreicht, um in den alltäglichen Auseinandersetzungen die Oberhand zu behalten. Der Krieg, der die Flüchtlinge aus ihrer Heimat vertreibt und die Faschisten, die sie dann hier in der BRD terrorisieren sind beides Krebsgeschwüre ein und desselben Systems:des Imperialismus!

 

Die Flüchtlinge werden als Südenböcke instrumentalisiert, um von der alleinigen Schuldigkeit der Kapitalisten für unser Elend abzulenken.

 

Wenn wir Proletarier besser leben wollen, müssen wir gegen die deutschen Kapitalisten kämpfen!

 

Wir und die Syrer, Iraker, Afganen haben einen gemeinsamen Feind: die deutsche Bourgeoisie!

 

Gegen sie sollen wir kämpfen.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!

 

 

[1]http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-und-einwanderer-die-wichtigsten-fakten-a-1030320.html#sponfakt=5

[2] http://www.bild.de/news/inland/heidenau/wieder-randale-vor-dem-fluechtlingsheim-42300220.bild.html

[3] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/brandanschlaege-innenpolitiker-fordern-mehr-polizei-a-1049722.html