Klassenkampf

Heute jährt sich der Geburtstag des großen Revolutionärs J.W. Stalin. Mit ihm untrennbar verbunden sind der Aufbau des
Sozialismus in einem Land, die heroische Industralisierung eines ehemals unterentwickelten Agrarlandes, das Erbe
welches er von Lenin weiterführte. Auch am Sieg über den Faschismus hatte er als Führer der Sowjetunion einen
entscheidenen Anteil. Die KI weist die Lügen über sein Wirken, die von den Revisionisten seit dem 20. Parteitag
gestreut werden, scharf zurück. Ebenso die Lügen, die die Bourgeoisie und ihre Lakaien sowie wie die
Trotzkisten und reformistische Parteien seit ihrem Bestehen über ihn verbreiten. Dies zeigt, dass die
Beurteilung der Frage des Wirkens Stalins sowohl in der Praxis als auch in der Theorie eine entscheidene
Frage ist. Wie halte ich es mit der Sowjetunion und wie halte ich es mit Stalin? Die Antwort entscheidet,
ob man Marxist-Leninst ist oder Revisionist. Als Stalin starb war die Trauer groß, doch gleichzeitig waren
auch die Kommunisten stark. Sie waren ein entscheidenter Faktor des Weltgeschehens. Hier sehen wir die
Bedeutung von Stalin, aber auch den Umfang des Verrats von Chruschtschow und Gorbatschow,
der gewaltig ist.


Jutta Ditfurths Kreuzzug gegen die Montagsmahnwachen und Ken Jebsen (Ein Beitrag von antiimp.org)

Jutta Ditfurth trat erstmals im April 2014 in der Sendung Kulturzeit auf 3sat zum Thema Mahnwachen für den Frieden in Erscheinung [1], in der sie diese pauschal unter dem Begriff „neurechts“ zusammenfasste. Dabei wirft sie sowohl den seriösen Journalisten Ken Jebsen, den COMPACT-Autor Jürgen Elsässer und den Initiator dieser Demonstrationen Lars Märholz in denselben Topf: neurechte Propagandisten. Sie impliziert in ihren Monologen zu diesem Thema oftmals eine Verbindung zwischen diesen drei Leuten (ab und zu wird auch noch Andreas Popp der Wissensmanufaktur in diese Verschwörungstheorie mit einbezogen), die sich zwecks „neurechter“ Agitation als unabhängig ausgäben, aber eigentlich unter einer Decke steckten [2] und mit antisemitischen Codes sprächen, die die gesamte „Szene“ – tatsächlich viel zu homogen für so eine Verallgemeinerung – kollektiv kenne, so reicht z.B. bereits die Erwähnung der US-Ostküste, um für Frau Ditfurth in den Verdacht zu geraten, antisemitischer Verschwörungstheoretiker zu sein [3]. Was alle Leute bei den Mahnwachen eine, sei die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung [4]. Nachweise für diese Thesen blieb sie schuldig. Die Wahnvorstellung der „jüdischen Weltverschwörung“, laut Frau Ditfurth das einende Element, konnte ich trotz achtmonatiger Präsenz bei der Mahnwache München und intensiven Gesprächen mit anderen Teilnehmern nie vernehmen.

Eine Beispiel für ihre aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen ist eine Behauptung, die sie in einem Vortrag ihrer Vortragsreihe „Moderner Antisemitismus, Querfront und völkische Bewegung“ aufstellte. So sagte sie, dass sich in München Faschisten der NPD mit den restlichen Teilnehmern verschworen hätten, um für die Kamera ein getrenntes Bild abzugeben, obwohl man eigentlich zusammenarbeite [5]. Tatsächlich war der Fall, dass man sich aufrichtig und entschlossen von Nazis distanzierte, bei der Polizei anfragte, ob man diese der Demonstration verweisen könne (was nach dem Bayerischen Versammlungsgesetz nicht möglich ist), und sie offen dazu aufforderte, den Platz zu verlassen. Da allerdings insgesamt 10 muskelbepackte Faschisten vor Ort waren, war es den Teilnehmern unmöglich, diese rauszudrängen bzw. physikalisch des Platzes zu verweisen. Die Teilnehmer der Demonstration gingen eher auf sie zu, um nach ihrer Ideologie zu fragen und diese im Anschluss scharf zu kritisieren, um so vielleicht eine Änderung in den Köpfen der Faschisten erreichen zu können. Das lieferte hervorragende Bilder für den antideutschen Kameramann Benneckenstein, der daraus gleich ein – im Vergleich zur Darstellung von Jutta Ditfurth sogar noch faires – Video bastelte [6]; selbst dieses Video zeigt jedoch, dass der Ablauf ganz anders war als von Frau Ditfurth geschildert.

Weiterlesen: Jutta Ditfurth – Eine antideutsche Leitfigur

Mit einer großen Veranstaltung zelebrierte die BRD am 03. Oktober 2015 die Vernichtung des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden. Natürlich quillt noch heute den deutschen Finanzoligarchen, Großindustriellen und Medienanstalten der Schaum aus dem Mund, wenn sie sich daran erinnern, dass für 40 Jahre es Arbeiter wagten einen eigenen Staat, mit eigenen Gesetzen und einer ganz neuen Gesellschaft aufzubauen. Es muss für sie sehr bitter gewesen sein, dass diese mutige Kräfte es waren, die sie vorher nach Belieben ausbeuten konnten. Die Verhältnisse hatten sich einmal komplett umgedreht.

 

Umso mehr sollen die heutigen Arbeiter davor gewarnt werden - keine Lüge über die DDR ist dumm genug, kein Zeuge "zu weit hergeholt" - alles wird an diesen "Feier"tagen aus der Kiste gekramt. Niemals sollen es Arbeiter wieder Wagen auf dem Firmengelände der Bosse, namens BRD, einen eigenen Staat zu gründen. Es gibt jedoch immer eine historische Wahrheit, die kein Anstreicher übermalen kann, die nicht zertrampelt und erst recht nicht ausgelöscht werden kann. Daher können wir die Tatsachen nicht oft genug wiederholen:

 

"In der DDR gab es keine Konzentrationslager, keine Gaskammern, keine politischen Todesurteile, keinen Volksgerichtshof, keine Gestapo, keine SS. Die DDR hat keinen Krieg geführt und keine Kriegs- oder Menschlichkeitsverbrechen begangen. Die DDR war ein konsequent antifaschistischer Staat, der wegen seines Eintretens für den Frieden hohes internationales Ansehen besaß.

 

Der Prozess gegen uns als die "Großen" der DDR soll dem Argument entgegengesetzt werden, "die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen". Das Urteil über uns soll damit den Weg völlig freimachen, um auch die Kleinen zu "hängen". Schon bisher hat man sich allerdings hierbei wenig Zwang auferlegt. Der Prozess soll die Grundlage für die Brandmarkung der DDR als "Unrechtsstaat" bilden.

 

Ein Staat, der von solchen "Verbrechern" wie uns, von "Totschlägern" regiert wurde, kann nur ein "Unrechtsstaat" sein. Wer ihm nahestand, wer ein pflichtbewusster Bürger der DDR war, soll mit einem Kainszeichen gebrandmarkt werden. Ein Unrechtsstaat kann natürlich nur von "verbrecherischen Organisationen" wie dem MfS, der SED usw. geführt und gestützt worden sein.

 

Kollektivschuld, kollektive Verurteilung soll an die Stelle individueller Verantwortlichkeit treten, um das Fehlen von Beweisen für die behaupteten Verbrechen zu verschleiern. Pfarrer aus der DDR geben ihren Namen für eine neue Inquisition, für eine moderne Hexenjagd. Millionen werden so gnadenlos ausgegrenzt, aus der Gesellschaft ausgestoßen. Vielen werden die Existenzmöglichkeiten bis aufs äußerste eingeschränkt.

 

Es reicht, als IM registriert worden zu sein, um den bürgerlichen Tod zu erleiden. (...) - Das alles geschieht mit dem selbstverliehenen Gütesiegel des Rechtsstaats. Der Prozess offenbart seine politische Dimension auch als Prozess gegen Antifaschisten. Zu einer Zeit, in der der rechte neonazistische Mob ungestraft auf den Straßen tobt, Ausländer verfolgt und wie in Mölln ermordet werden, zeigt der Rechtsstaat seine ganze Kraft bei der Verhaftung demonstrierender Juden und eben bei der Verfolgung von Kommunisten. Hier fehlt es auch nicht an Beamten und Geld. Da alles hatten wir schon einmal."

 

- Erich Honecker, am Berliner Landgericht, 03.12.1992

 

Entgegen des Potsdamer Abkommens der 4 Siegermächte, das ein "friedliebendes, demokratisches, antifaschistisches und einheitliches Deutschland" vorsah, spaltete sich am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland in den westlichen Besatzungszonen ab. Die westlichen Besatzungsmächte und die mit ihnen verbündeten deutschen Militaristen wollten zumindest das halbe Deutschland für ihre aggressiven Pläne nicht verloren geben. In der ersten Adenauer Regierung waren mehr NSDAP-Faschistischen beteiligt als an der ersten Hitler-Regierung.

 

Am 7. Oktober 1949 wurde mit der Deutschen Demokratischen Republik der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden gegründet. In diesem Staat wurde das Potsdamer Abkommen konsequent umgesetzt. Faschisten landeten nicht in hohen Regierungsämtern sondern bekamen ihre gerechte Strafe. Mit der Bodenreform wurden die Großgrundbesitzer, neben den Industriellen und Banken, ein entscheidendes Rückrat Hitlers, enteignet. Die Kriegsgewinnler wurden entschädigungslos enteignet. Dann wurde der Aufbau des Sozialismus begonnen.

 

Den Verantwortlichen in der BRD, deren Staat zu einem antikommunistischen Bollwerk ausgebaut wurde, schmeckte dies gar nicht. Das Jahr 1950 sollte diese DDR nicht überleben tönten sie. Genau genommen bezeichneten sie die DDR als "die Zone", Mitteldeutschland, Gänsefüßchenland oder sogenannte DDR. Entgegen des Potsdamer Abkommens ließen sich die Westalliierten in Westberlin nieder. Dieses war eigentlich Teil der DDR.

 

Lediglich für die Zeit der Besatzung wurden den Westmächten von der Sowjetunion zugestanden, in Westberlin eigene Verwaltungen zu errichten. Dieses Westberlin wurde das Zentrum der Agententätigkeiten gegen die DDR. Sabotageakte, Menschenhandel und Spionage wurden von dort betrieben. Die BRD versuchte auf dreiste Weise ihre Währungsreform in Westberlin durchzuführen, das heißt mitten in der DDR! So wollte man die DDR mit Geld überfluten, um ihr Wirtschaftssystem zu schädigen.

 

Am 17. Juni 1953 wurde der Versuch unternommen, die DDR-Regierung wegzuputschen. Kommandiert wurden diese Banditen aus Westberlin. Dieser Prototyp dessen, was man Jahrzehnte später als "Farbenrevolutionen" bezeichnen würde, scheiterte. Doch die Kriegsgefahr rund um den Brandherd Westberlin war nicht ausgemerzt. Der deutsche Imperialismus zündelte weiter und Entwarf zahlreiche Pläne, um die DDR militärisch aus dem Warschauer Vertrag herauszubrechen, notfalls mit Atomwaffen. Der bekannteste dieser Pläne hieß Deco II.

 

Um dieser Kriegsgefahr ein Ende zu setzen, errichte die DDR am 13. August 1961 den antifaschistischen Schutzwall. Die Spaltung Deutschlands, die von den Westmächten in Zusammenarbeit mit den alten Kräften des deutschen Imperialismus vollzogen wurde, fand nun ihre architektonische Entsprechung. Die tickende Zeitbombe Westberlin wurde eingedämmt. Die unmittelbare Kriegsgefahr, die Deutschland 16 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs erneut in ein Inferno verwandelt hätte, wurde durch die Umsicht der DDR abgewendet. Die Politik des "Rollback des Kommunismus" war gescheitert. Die DDR wurde zu einem Bollwerk des Friedens in Deutschland!

 

In der BRD endete die Ära Adenauer, dessen Name sinnbildlich für diese aggressive Strategie gegen die DDR stand. Er wurde nach einem Intermezzo mit Ludwig Erhard abgelöst durch Willy Brands "neue Ostpolitik". Diese setzte vor allem auf den subtilen Kampf gegen den Sozialismus. Als Erfolg der DDR ist es zu werten, dass der BRD-Imperialismus nun gezwungen war, mit der DDR in Verhandlungen zu treten.

 

Um weiterhin die DDR-Staatsordnung auszuhöhlen setzte der BRD-Imperialismus auf ideologische Mittel. Dazu wurde der "demokratische Sozialismus" erfunden. Hinterhältig gab sich dieser als Verbesserung des Sozialismus aus, war er doch in Wahrheit einzig und allein als ein Mittel zu seiner Beseitigung gedacht. Leider geriet auch die SED in das Fahrwasser des Revisionismus. Die schlimmsten Auswüchse wie Gorbatschows Perestroika und Glasnost wurden zwar nicht umgesetzt, jedoch bescheinigte die SED 1986 dem Imperialismus die "Friedensfähigkeit".

 

Der Revisionismus war der ideologische Spalt auf den der Imperialismus gewartet hat, um den Sozialismus zu vernichten. Dort machte er sich breit. Als dann auch noch Erich Honecker im Oktober 1989 von zweifelhaften Gestalten wie Schabowski und Krenz aus dem ZK gewählt wurde, war die Stunde gekommen. Das große Schurkenstück nahm seinen Lauf. Mit der durch das Westfernsehn und RIAS geschürten Fluchtbewegung als Hintergrundmusik sollte diese Farbenrevolution erfolgreich werden. Die SED fiel endgültig dem Revisionismus zum Opfer.

 

Gemäß der BRD-Geschichtsschreibung war der 9. November 1989 die Zäsur, der Tag an dem das Volk der DDR gegen seine "autoritäre Regierung" aufgestanden sei und sich den Weg in die Freiheit bahnte. Wenn man sich jedoch die Fakten ansieht, wird offenkundig, dass die zerfallende SED höchst selbst dem Kapitalismus freundlich die Tür öffnete.

 

Jedoch wurde dieser nicht Kapitalismus genannt, sondern eben "demokratischer Sozialismus" oder "Erneuerung". Zeugnis davon legt vor allem die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" vom 8. November 1989 ab. In dieser Nachrichtensendung der DDR darf die angeblich so verfolgte Bürgerrechtlerin Christa Wolf einen "Appell für eine wahrhaft demokratische Gesellschaft" in ungekürzter Form absenden. Zudem wird die Gründung von neuen Parteien verkündet.

 

Die Legende vom antagonistischen Widerspruch zwischen denen auf der Straße und denen an der Regierung lässt sich damit kaum aufrechterhalten.

 

Führende revisionistische und sozialdemokratische SED-Funktionäre öffneten nach einer Provokation der Westberliner Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks am 09. November 1989 den antifaschistischen Schutzwall. Auf der anderen Seite standen schon vom RIAS organisierte, verführte Demonstranten; aber auch Neugierige und Schaulustige für die geifernden West-Kameras bereit.

 

Das Tor stand nun offen und westdeutsche Konzerne plünderten die DDR-Volksbetriebe wie die Geier. Die Gebrechen des Kapitalismus kehrten auch in diesem Teil Deutschlands ein. Obwohl die BRD seither (zuvor natürlich auch!) alles tat, um die DDR mit Lügen der schrecklichsten Art zu diffamieren, gelingt es ihr nicht, die Erinnerungen an den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden auszutilgen.

 

Dem Land, in dem Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Nazibanden unbekannt waren und die Freiheit nicht nur auf die Freizeit beschränkt war. Die DDR ist und bleibt der größte Erfolg der Arbeiterbewegung in Deutschland, ist und bleibt die demokratischste, freiheitlichste und friedlichste Zeit in Deutschland.

 

Dass die herrschende Klasse der BRD noch heute Angst hat vor dem Kommunismus, belegen viele Tatsachen. Nicht nur die Aufrüstung der Bundeswehr für Kriegseinsätze im Inneren, sondern auch Antikommunisten in höchste Staatsämter zu hieven, gleicht den Versuchen mit Papst Johnnes Paul II. Aber auch mit der Verleihung einer solchen "moralischen Instanz" des BRD-Staates ist diesem Ziel nicht geholfen, ebenso wenig hilft die Verdammung der im Kapitalismus angekommenen Abgeordneten der Linkspartei wie Herrn Ramelow.

 

Trotz der temporären Niederlage des Sozialismus in Deutschland wird sich die Schockstarre der Arbeiterbewegung nicht ewig halten. Heute am 07. Oktober werden wir nicht nur unserer DDR Gedenken, so wie es tausende DDR Bürger öffentlich tun oder auch heimlich tun müssen. Auch den Verbrechen der Faschisten, den willigsten Vollstreckern der deutschen Bourgeoisie und ihren Opfern, insbesondere seit 1990. Aber heute werden wir auch feiern - den Tag, an denen sich über 16 Millionen Bürger wagten mutig für den Frieden und gegen den BRD-Imperialismus zu stellen. Arbeiter, ehemalige Konzentrationslager-Häftlinge und kämpfende Antifaschisten einen Staat bauten, der unsere Chefs und Bosse 40 Jahre lang an den Rand der Verzweiflung brachten.

 

Das demokratische Deutschland, es lebe an dem Jahrestag seiner Gründung hoch!

Die Kommunistische Initiative in Deutschland

 

 

 

Grotewohl

Der erste DDR-Ministerprasident, Otto Grotewohl

Wenn man sich heute die gesellschaftlichen Verhältnisse in der BRD und in anderen hochentwickelten kapitalistischen Ländern anschaut, so entsteht leicht der Eindruck, daß es heute keine Arbeiterklasse mehr gäbe. Auch wenn sich die Technologie und die Art der Arbeit in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert und weiterentwickelt haben: Dieser Eindruck ist falsch! Die Arbeiterklasse unterscheidet sich von der Ausbeuterklasse vor allem dadurch, daß ein Arbeiter, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, während der Kapitalist, der über das Eigentum an Produktionsmitteln verfügt, seinen Lebensunterhalt in erster Linie aus den durch die Ausbeutung der besitzlosen Klassen erzielten Profiten bestreitet. Das ist der entscheidende Unterschied! Über den Einfluß des Imperialismus auf die Struktur der Arbeiterklasse schreibt Otto Grotewohl:

Ebenso wie die materielle Lage wurde auch die soziale Struktur der Arbeiterklasse durch den Übergang zum Imperialismus weitgehend beeinflußt. Hier sind es vor allem drei Faktoren, die in der Periode des aufkommenden Imperialismus eine hohe Bedeutung gewannen:

  • der sich mehrende Zustrom kleinbürgerlicher Elemente ins Proletariat,
  • die Herausbildung einer Arbeiteraristokratie, d.h. einer Schicht von privilegierten besser bezahlten Arbeitern, die in Gegensatz zu der Masse der Arbeiterschaft geriet,
  • das Anwachsen der Zahl der Angestellten in den Organisationen der Arbeiterschaft und die Gefahr ihrer Loslösung von den Massen.

1) Das Einströmen bürgerlicher Elemente

klassenstrukturDer Siegeszug der Monopole in der kapitalistischen Wirtschaft bewirkte, daß ständig zahlreiche mittlere und kleine Unternehmen vernichtet oder aufgesogen, viele ihrer Besitzer und Angestellten an den Bettelstab gebracht wurden. Diese ins Proletariat Hinabgeschleuderten und Deklassierten brachten ihre kleinbürgerlichen Vorurteile, ihre engstirnige Denkweise mit und verharrten meist noch lange in rückständigen, kleinbürgerlichen Ideologien. Sie empfanden ihre Lage nicht als Auswirkung eines gesellschaftlichen Prozesses, der sich mit historischer Gesetzmäßigkeit vollzieht, sondern als persönliches Pech, als einen zufällig ihnen begegneten Schicksalsschlag. Sie sehnten sich zurück nach der verlorenen bürgerlichen Existenz und erwarteten ihre soziale Aufwertung von Sofortmaßnahmen, sozialen Verbesserungen, Reformen und dergleichen. Sie erstrebten jedoch keine grundlegende Änderung des gesellschaftlichen Systems. Noch völlig befangen im kleinbürgerliehen egozentrischen Denken, vermochten sie noch nicht die große gesellschaftliche Aufgabe des Proletariats zu erkennen. Sie stellten, wie Lenin sagt, die „Rekruten der Arbeiterbewegung dar, die erst einer ‘gründlichen Ausbildung’ im Klassenbewußtsein bedürfen.“ [1]

Das galt auch für die Mittelschichten, die in der imperialistischen Epoche immer wieder neu geschaffen werden, die beispielsweise als Filialleiter, Besitzer von erforderlichen neuen Reparatur- und Ergänzungsbetrieben, in der Heimarbeit und im Handel scheinbar selbständige oder doch gehobene Existenzen fanden und sehr schnell bürgerliche Denk- und Lebensweise annahmen.

Gewiß hat es nicht an warnenden Stimmen gefehlt. Schon Karl Marx und Friedrich Engels hatten sich wiederholt gegen die leichtfertige, allzu entgegenkommende und nachsichtige Behandlung der in der Partei sich breitmachenden Spießer und Kleinbürger gewandt. Es sei nur auf den Zirkularbrief vom September 1879 hingewiesen, wo sie mit aller Deutlichkeit die Verderblichkeit des kleinbürgerlichen Einflusses aufzeigten und seine Ausmerzung forderten.

„Es sind die Repräsentanten des Kleinbürgertums, die sich anmelden, voll Angst, das Proletariat, durch seine revolutionäre Lage gedrängt, möge ‘zu weit gehen’.“ [2]
„Das kleinbürgerliche Element in der Partei bekommt mehr und mehr Oberwasser. Der Name von Marx soll möglichst unterdrückt werden. Wenn das so vorangeht, so gibt es eine Spaltung in der Partei, darauf kannst Du Dich verlassen.“ [3]

„Wenn solche Leute aus anderen Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, daß sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen usw. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen … Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in. die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit dem proletarischen Schneid ist’s am Ende. Was uns betrifft, so steht uns nach unserer ganzen Vergangenheit nur ein Weg offen. Wir haben seit fast 40 Jahren den Klassenkampf als nächste treibende Macht der Geschichte und speziell den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat als den großen Hebel der modernen sozialen Umwälzung hervorgehoben; wir können also unmöglich mit Leuten zusammengehen, die diesen Klassenkampf aus der Bewegung streichen wollen.“ [4]

Auch später haben verantwortungsbewußte Führer gegen die Ausbreitung kleinbürgerlicher Einflüsse, gegen die Verspießerung ihre Stimme erhoben. So August Bebel, der 1903 auf dem Parteitag in Dresden die reformistische Einstellung und das anmaßende Auftreten mancher aus Konjunkturgründen zur Partei gestoßenen Akademiker und der „ehemaligen Proletarier in gehobenen Lebensstellungen, Leute, die eben jetzt einen gewissen Abschluß ihrer Lebenslage sehen“, in scharfen Worten geißelte und gegen die Vertuschung, die Überbrückung der Gegensätze zwischen Proletariat und bürgerlicher Gesellschaft wetterte.


2) Die Herausbildung einer Arbeiteraristokratie

wohlstandIndessen hätte dieses Einströmen bürgerlicher Elemente und damit zugleich bürgerlicher Ideologien ins Proletariat durch die allmähliche Umschmelzung inmitten einer geschlossenen, klassenbewußten, politisch und ideologisch richtig geführten Arbeiterschaft und durch zielbewußte Einwirkung ohne Schädigung bleiben können.

Die Geschlossenheit des Proletariats wurde jedoch gerade durch die Einwirkungen des Monopolkapitalismus stärkstens gelockert. Hatte die Überschätzung der auf die Augenblicksinteressen, gerichteten Politik schon dazu geführt, daß viele Arbeiter sich durch vorübergehende und nur begrenzt positive Auswirkungen des Imperialismus blenden ließen und darüber die ganze Gefährlichkeit dieses Systems übersahen, mit ihm liebäugelten, Frieden schlössen und von ihm alles Heil erhofften, so gewann der Imperialismus durch die planvolle Heranzüchtung einer Arbeiteraristokratie eine weitere, nicht unbeträchtliche Zahl von Arbeitern für sich, die den von Marx gewiesenen revolutionären Weg verließen und zu verläßlichen Stützen, Verteidigern und Lobrednern des Monopolkapitalismus wurden.

„Der Imperialismus“, so führte Lenin aus, „hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und von der Masse des Proletariats abzuspalten.“ [5]

Und in seinem Brief an die amerikanischen und europäischen Arbeiter sagt Lenin:

„… in allen zivilisierten fortgeschrittenen Ländern raubt die Bourgeoisie — auf dem Wege entweder der kolonialen Unterdrückung oder des Herausziehens finanzieller ‘Vorteile’ aus formell unabhängigen schwachen Völkern — eine Bevölkerung aus, die die Bevölkerung ‘ihres’ Landes um ein Vielfaches übertrifft. Daher die ökonomische Möglichkeit der ‘Extraprofite’ für die imperialistische Bourgeoisie und der Verwendung von einem Teil dieses Extraprofits zur Bestechung einer gewissen Oberschicht des Proletariats, um sie in reformistisches, die Revolution fürchtendes Kleinbürgertum zu verwandeln.“ [6]

Diese Bestechung einer kleinen Schicht von Arbeitern erfolgte bald in plumpen, bald in höchst raffinierten, kaum erkennbaren, dann aber um so wirkungsvolleren Formen. Geeignete Objekte in der Arbeiterschaft erhielten als angeblich qualifiziertere Facharbeiter, als Aufseher, Vorarbeiter, Lagerverwalter, Kontrolleure u.ä. höhere Einkommen und günstigere Arbeitsbedingungen. Es ist erwiesen, daß die so Begünstigten in der Mehrzahl der Fälle sich allmählich in ihrer Lebenshaltung und Denkweise den bürgerlichen anpaßten, sich mehr und mehr von der proletarischen Klassengrundlage entfernten, die Sorge um die Erhaltung und Verbesserung ihrer Posten, um die Versorgung ihrer Kinder höher schätzten als die Solidarität mit den Massen, als den Kampf um die soziale Befreiung der gesamten Arbeiterklasse. Die Aussicht opfervoller Kämpfe flößte ihnen vielmehr Furcht und Abneigung gegen revolutionäre Kampfmethoden ein. Diese Schichten bildeten darum einen günstigen Nährboden für den Opportunismus, für alle Abirrungen von der marxistischen Theorie und Praxis, für versöhnlerische Tendenzen und falsche, undialektische Beurteilungen der Entwicklung des Kapitalismus im Zeitalter des Imperialismus. Das deutsche Monopolkapital sparte darum nicht mit Mitteln, um durch die Züchtung einer solchen Arbeiteraristokratie die Front der Arbeiterschaft zu durchbrechen und in ihre Reihen den Samen der Zwietracht untereinander und des faulen Klassenfriedens mit den Kapitalisten zu säen.


3) Das Anwachsen der Bürokratie in den Arbeiterorganisationen

buerokratieDiesem Bestreben kam die unausgesetzte Erweiterung des umfangreichen Verwaltungsapparates in der sozialdemokratischen Partei, in den Gewerkschaften und den verschiedenen sozialen und kulturellen Organisationen entgegen. Hatte diese uneingeschränkte Gewinnung Tausender von klassenbewußten Arbeitern für die an der Verwirklichung der Ziele der Arbeiterschaft arbeitenden Organisationen deren Stoßkraft beträchtlich erhöht, so brachte auch hier die unabhängige quantitative Vermehrung schließlich den qualitativen Umschlag.

Die ständige Vermehrung der neu einzustellenden hauptamtlichen Funktionäre in den genannten Organisationen gestattete nicht mehr eine so sorgfältige Auslese wie bisher, zwang vielmehr zum Rückgriff auf solche Bewerber, die hinsichtlich ihrer Verbundenheit mit dem Sozialismus, ihres Klassenbewußtseins, nicht immer so qualifiziert sind, wie man es bis dahin forderte. In wachsender Zahl traten aus dem Bürgertum kommende Abgeordnete, Schriftsteller, Redakteure und andere Funktionäre hervor, die ihre antimarxistischen klassenfremden Auffassungen mitbrachten und die marxistische Bewegung oft nur als eine soziale Reformbewegung betrachteten.

Die mit dem Anwachsen der Organisationen entstehende und sich mehrende Kompliziertheit der Verwaltung, der Kassenführung, des Geschäftsverkehrs usw. hatte zur Folge, daß man bei der Auswahl der einzustellenden Kräfte oft mehr auf die formalen Fähigkeiten als auf die Parteiverbundenheit, auf die Vertrautheit mit dem Marxismus sah.
Die hohe Entlohnung führte in vielen Fällen bei weiterer Erhöhung nicht zu gesteigerter Arbeitsfreudigkeit und Hingabe an die Sache der Arbeiterschaft, sondern zu einer Lockerung der Verbundenheit mit den Massen.

So erklärte sich auch die stürmische Zustimmung, die August Bebel fand, als er auf dem Magdeburger Parteitag 1910 ausrief:

„Ich habe oftmals den Eindruck, daß ein Teil unserer Führer nicht mehr versteht, was die Massen zu leiden haben, daß sie der Lage der Massen entfremdet sind…Die Parteigenossen müssen darüber wachen, daß die Parteiführer der Partei keinen Schaden zufügen. Seht den Führern auf die Finger, seht auch Euren Redakteuren auf die Finger.“ [7]

Viele der durch die Arbeiterorganisationen Emporgehobenen gerieten durch die Übernahme bürgerlichen Lebensstils zu bürgerlichen Vorurteilen, entfremdeten sich den Massen und verletzten sie oft durch ihr Benehmen. Auch bei ihnen stellte sich, wie bei den Arbeiteraristokraten, die Sorge um Erhaltung und Ausbau der errungenen persönlichen Positionen ein. Sie wurden sich bewußt, daß sie bei etwaigen scharfen oder gar revolutionären Auseinandersetzungen mit dem Klassenfeind mehr zu verlieren hatten als ihre Ketten. Deshalb scheuten oder verabscheuten sie den revolutionären Weg, plädierten für den Weg der Reformen, neigten zum Opportunismus, zu Kompromissen mit dem Klassenfeind, zur Revision, zur Preisgabe des Marxismus, zur Einstellung des Klassenkampfes. Diese Entwicklung trat nicht nur in der Partei, sondern auch besonders in den Gewerkschaften hervor. So wurden die Organisationen, je mehr sie in die Breite wuchsen und je schwerer das Bleigewicht ihres Verwaltungsapparates wurde, aus Hebeln des sozialen und politischen Fortschritts in gewissem Sinne zu Hemmschuhen. Indem die Parteiführung die Gefahren der Verbürgerlichung, der Entstehung einer Arbeiteraristokratie und der Loslösung gewisser Funktionäre von den Massen nicht in ihrer vollen Bedeutung erkannten und nicht energisch genug bekämpften, bahnten sie indirekt dem Opportunismus und dem Revisionismus den Weg.

Zitate:
[1] Vgl. Lenin, „Die Differenzen in der europäischen Arbeiterbewegung.“
[2] Engels an Bebel, 24. November 1879.
[3] Engels an Liebknecht, 4. Februar 1885.
[4] Karl Marx, „Kritik des Gothaer Programms”, Berlin 1946, S. 102 f.
[5] Lenin, „Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Verlag Neuer Weg, Berlin 1946, S. 93.
[6] Lenin, Sämtliche Werke, Bd. XXIII, S. 644.
[7] Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages von 1903, S. 311.
[8] Parteitagsprotokoll von 1910.

Quelle:
Otto Grotewohl: 30 Jahre später – Die Novemberrevolution und die Lehren aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Dietz Verlag Berlin, 1948, S.23-29.